Montag, 21. September 2026

Erinnerungen an mehr als 25 Jahre Minischweine auf dem Spukberg

 Emma zieht ein

Unsere erste Steckdosennase war Emma, ein vietnamesisches Hängebauchwein mit einem tollen Charakter. Wir wissen nicht genau, wo Emma geboren wurde, auch wie alt sie war, wollten oder konnten uns die Vorbesitzer nicht sagen. Sicher ist Emma ist im vierten Stock einer Neubauwohnung groß geworden, vielleicht hat sie in ihrer Jugend ab und an mal grünes Gras gesehen, später als erwachsenes Minischwein mit mehr als 50 kg nicht mehr. Den Umzug aus der Wohnung und in unser Auto verschlief sie in Narkose. Bei uns angekommen, war sie allerdings wach und nicht begeistert vom Wohnungswechsel. Über viele Stunden hinweg weigerte sie sich das Fahrzeug über eine Rampe zu verlassen. Erst mit vielen Leckereien und Teppichen, ja Teppichen, denn Wege, Gras usw. kannte sie nicht. Teppiche blieben in den ersten Tagen ein Thema. Es hat gedauert bis Emma einfach über eine Wiese oder einen Weg lief.

Von und mit Emma haben wir gelernt, was ein Minischwein braucht, um glücklich alt zu werden. Wenige Wochen nach Emma zog Anton bei uns ein, ebenfalls ein vietnamesisches Hängebauchschwein.

 


Ausreißer, die 1.: Emma bringt nichts aus der Ruhe

Unsere Minischweine waren immer neugierig, aber ganz ehrlich so mutig wie Emma, war kein anderes Minischwein. Schon nach wenigen Tagen ist sie mir heimlich auf die Pferdekoppel gefolgt, sprich Tor ausgehoben und weg war sie. Erst nach zwei Tagen tauchte sie hungrig und nach mir rufend wieder auf, keine Ahnung, wo sie sich versteckt hatte.

Spaziergänge mit Emma und Anton waren nicht nur bei uns beliebt, viele Kinder aus dem Dorf schlossen sich uns an. Gerade Emma brachte nichts aus der Ruhe. Während Anton vor einem laut aufheulenden Motorrad schon mal in einen schnellen Schweinsgalopp verfiel, setzte sich Emma einfach auf die Straße und schaute sich den Krachmacher in aller Ruhe an.


 

Ausreißer, die 2.: Eberhard

Eberhard, ein sportliches Minischwein, war und ist mein besonderer Liebling.  Die Gründe sind vielfältig, zum einen war er sehr liebevoll zu seinen Mädels sowie seinem Nachwuchs und zum anderen sehr gelehrig. Er lernte zum Beispiel neben mir auf die Hausbank zu klettern und dort einfach zu sitzen. Er hatte aber auch unsere Nachbarn im Griff. Manch einer schenkte ihm und den anderen beim Vorbeigehen eine kleine Leckerei, wurden Eberhard und seine Familie aber von ihnen vergessen, öffnete er einfach das Tor und erinnerte seine Lieferanten daran, indem er ihnen folgte.

Eine normale Türklinge oder ein Schieberiegel sind für viele Minischweine kein Problem. Eberhard schaffte es sogar einen noch oben gestellten Türgriff zu öffnen.

 


Ausreißer, die 3.: Dana ist weg

Auch wir fahren mal in den Urlaub, unsere Minischweine fanden bekannte aber dennoch nicht zur Familie gehörende Futterlieferanten nie wirklich toll, aber Dana schoss wirklich den Vogel ab. Sie machte sich einfach hochtragend aus dem Staub. Unsere Urlaubsvertretung rief schon am dritten Urlaubstag völlig verzweifelt an, weil Dana einfach nicht auffindbar war. Was blieb uns anderes übrig als nach Hause zu fahren. Und wer tauchte nach nur 5 Minuten wieder auf? Unsere Dana mit 7 kerngesunden Ferkeln im Schlepptau. Wie sie das Grundstück Zaun und Stromdraht sowie den Weidezaun (ebenfalls Stromdraht) der Pferdkoppel verlassen konnte keine Ahnung, klären konnten wir, dass sie im hohen Gras der benachbarten Wiese einen Kessel gebaute und dort die ersten Stunden mit ihren Kleinen verbrachte.

In der Ferkelsaison haben wir nie wieder eine Urlaubsreise geplant, im Herbst oder Winter gibt es ebenfalls vieles zu entdecken!

 


Ausreißer, die 4.: „Euer Schwein macht das Dorf unsicher“

So lautete der Anruf, also schnell durchgezählt, alle 5 Steckdosenasen schlafen friedlich. Schnell zurückgerufen ist, keines von unseren Tieren. Zehn Minuten später der nächste Anruf: „Euer Schwein verwüstet meinen Vorgarten“; „Ist keines von unseren Minis“, lautete meine Antwort. Der dritte Anrufer war dann schon richtig sauer und drohte mit der Polizei. Zehn Minuten später war diese da, und erklärte uns, dass wir unser aggressives Schwein wieder einfangen sollen. Wir wieder: „das ist nicht unser Minischwein, unsere 5 sind alle da.“ Die Beamten haben selbst nochmals genau nachgezählt und dann gefragt, ob wir mithelfen könnten, dass nicht gerade freundliche Tier einzufangen.

Helfen beim Einfangen, ok, aber zu uns auf dem Hof durfte er nicht nur aus seuchenrechtlichen Gründen nicht. Unser Eber Marlow hätte den anderen ausgewachsenen Eber niemals akzeptiert. Und testen, wie stabil unsere Trennboxen sind, wenn die beiden versuchen die Rangordnung zu klären, wollten wir auch nicht. Der Eber kam zunächst in einem Reitstall im Nachbarort unter. Erst später stellte sich heraus, dass es im Dorf eine Familie gab, denen der Eber gehörte. Diese waren wohl ganz froh, dass er weg war, denn das Tier war dem Menschen gegenüber nicht freundlich eingestellt.

 


Unerwünschte Besucher

Minischweine ziehen viele Besucher an, dies gilt insbesondere, wenn quirlige Ferkel zu sehen sind. Die meisten der Gäste, waren bei uns auch willkommen, wir haben gern all ihre Fragen beantwortet. Nahezu immer fand sich eine Steckdose, die sich über Streicheleinheiten freute.

Ab und an gab es allerdings auch Vorfälle, die wegen ihrer Dreistigkeit in Erinnerung geblieben sind. Unsere Sauen führten entspannt ihre Ferkel auf dem Grundstück spazieren. Plötzlich lautes ängstliches Quicken der Ferkel und aufgeregtes Schnauben der Sauen, ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass wir unerwünschten Besuch hatten. Nach Selfies mit den Ferkeln wurden wir oft gefragt und mit gebührendem Abstand haben wir Fotos auch immer zugestimmt. Aber diese Besucher waren nicht nur einfach über den Zaun geklettert, sie hatten auch eine Sau mit ihren Ferkeln in eine Ecke des Grundstücks gedrängt. Mein Rufen beeindruckte sie nicht, auch das die Sau kurz davor war angreifen, erkannten sie nicht. In diesem Moment kam Eberhard aus dem Stall und rannte laut schnaubend und mit den drohenden Bellgeräuschen auf die Szene zu. Ganz ehrlich, die Sprünge und Stürze der unerwünschten Besucher über den Zaun waren ein toller Anblick. 

Molly mit Hope

 

Hope, ein ganz besonderes Minischwein

Manchmal wurde es auch bei uns schwierig und so zum Beispiel als Hope geboren wurde und ihre Mutter sie nicht annahm. Wir hatten im Moment keine andere Sau mit so kleinen Ferkeln. Die jüngsten waren sechs Wochen alt und gegen diese Rasselbande konnte sich Hope nicht durchsetzen. Also haben wir Hope mit in die Wohnung genommen und versucht sie von Hand aufzuziehen. Schnell lernte Hope aus der Flasche zu trinken, aber als Kuschelpartner reichten wir ihr nicht, zudem hatten wir Angst, dass nur handtellergroße Ferkel im Schlaf zu erdrücken. Unsere Border-Collie-Mix Hündin Molly sprang nicht nur als Kuschelpartner ein, sie wurde sogar zu ihrer Ersatzmutter. Molly beschütze Hope vor den älteren Rüpeln, ja, ältere Ferkel sind mitunter richtig gemein zu jüngeren. Sie zeigte ihr die Toilette und sogar das Stroh zum Schlafen besser ist als Decken.

Hope lebte immer in zwei Welten, sie hatte nie selbst Nachwuchs!

 


Minischweine - freundliche Mitbewohner

Unsere Minischweine haben sich in all den Jahren immer sehr gut mit all unseren anderen Haustieren verstanden. Ganz gleich, ob mit unseren Zwergziegen, den Ponys, Katzen oder gar unseren Hunden. Anton diente nicht nur unserer Katze Ben als Reittier, auch die jungen Zwergziegen wurden gern vom ihm von einem Ort zum anderen getragen. Ich erinnere mich an viele gemeinsame Spaziergänge, auf denen unsere Hunde geduldig auf die Minis warteten, die mussten immer wieder einen kleinen Grassnack genossen.

Jeder Besucher wurden von den Minischweinen vom Spukberg freundlich begrüßt und dies tun sie oder besser ihre Nachkommen immer noch, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Holland, Dänemark, Österreich und der Schweiz. Einige sind mit oder gerade wegen ihrer prominenten Besitzer recht bekannt geworden.

Es gibt noch so viele schöne Erinnerungen, zum Beispiel wie unsere Mini´s zu Gärtnern wurden oder wie jene wie unsere Ferkel ….



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